Tränkeautomat sichert Aufzuchterfolg

Vom Schweinestall zum gut durchdachten und automatisierten Kälberstall

Die Haverkamp GbR liegt inmitten der grünen Wiesen im Landkreis Oldenburg, Niedersachsen. Durchzogen von Moor, Weideflächen und Wald ist es eine typisch landwirtschaftlich geprägte Region. Schon seit dem 15. Jahrhundert ist der Betrieb in der Hand der Familie Haverkamp, heute bewirtschaften ihn die Brüder Jan und Eike mit Vater Ingo Haverkamp. Der Schwerpunkt lag schon immer auf Milchvieh, aber früher gab es auch noch Schweinemast. Doch um sich zu fokussieren, entschied man sich, komplett auf das Milchvieh zu setzen. Die Milchviehherde besteht aus Holstein Friesian-Tieren mit etwa 10 % Fleckvieh. Die Anpaarungen laufen gemeinsam mit der CRV Deutschland GmbH, sie achten auf ein gutes Fundament und auf die Milchleistung. Derzeit liegen sie bei 10.660 l/Kuh und Jahr. Etwa 30 Färsen im Jahr verkauft die Familie an andere Betriebe im Umkreis. Alle drei Wochen kommt der CRV für die Trächtigkeitsuntersuchungen auf den Hof, die Besamungen führen Haverkamps aber selber durch.

Planungstalent gefragt

Nachdem die Schweine 2012 weg waren, stand deren Stall erst leer, wurde dann Abstellort für allerlei Dinge des Hofes. Doch eigentlich benötigte die Familie Platz für ihre Kälber, denn diese standen bis dato an verschiedenen Orten auf dem Betrieb in Gruppen zu je 9 Kälbern und mussten aufwändig und über teils längere Strecken über den Hof getrieben werden. „Das war schon immer lustig anzusehen, wenn mein Bruder oder ich die Kälber mit einem Nuckeleimer über den Hof bugsiert haben“, erinnert sich Jan Haverkamp schmunzelnd. „Das hat zwar immer gut geklappt, aber es war einfach sehr zeitaufwändig. Ebenso zeitintensiv war dann die Versorgung der Kälber an den verschiedenen Orten im Betrieb. Das sollte sich ändern, denn die Kälber liegen uns sehr am Herzen. Außerdem haben wir unsere Herde in den letzten Jahren aufgestockt, hatten daher stetig mehr Kälber und brauchten mehr Platz. Deshalb schauten wir, welches Gebäude wir für einen neuen Kälberstall umbauen konnten. Es bot sich der alte Schweinestall an. Es ist deshalb wohl der einzige Kälberstall, der gefliest ist, denn unser Großvater hatte den Stall extra für die Schweine mit Fliesen versehen.“

Gut durchdacht von A-Z

So begann die Familie Anfang 2020 mit dem Umbau des ehemaligen Schweinestalls zum neuen Kälberstall. Da vieles in Eigenleistung vollbracht wurde, dauerte der Umbau entsprechend länger, insgesamt etwa 9 Monate. „Aber wir haben auch nicht pausenlos daran gearbeitet, es gab schon längere Baupausen“, so Eike Haverkamp. Zuerst musste der Güllekeller weg, dann einige Wände, es wurde ein Betonfußboden gegossen und der Futtertisch höher gelegt, damit der Mist nicht auf den Futtertisch getreten werden kann. Um den Stall besser nach vorne abzutrennen wurde eine Ziegelmauer gebaut. Diese eignet sich auch hervorragend, um beim Ausmisten den Mist gegenzuschieben. „So entstanden 6 Großraumbuchten für je 10 Kälber, in denen sich die Kälber jeweils in der Mitte abtrennen lassen, wenn wir ausmisten. Dann kann der Radlader einfach eine Seite Strohmist wegschieben und dann die andere Seite, das geht schnell. So ist das regelmäßige Ausmisten mit nur einer Person möglich, vorher mussten wir das immer zu zweit machen“, sagt Jan Haverkamp. Für die Versorgung mit Wasser hat die Familie Schalentränken eingebaut mit darüber liegenden Nippeltränken. „Falls die Schalentränke zugemistet wird, bekommen die Kälber trotzdem jederzeit sauberes Wasser“, erklärt Eike Haverkamp.

Sichere Kälberversorgung zu jeder Zeit

Als die Kälber noch über den Hof verteilt standen, erfolgte deren Milchversorgung mit einem MilkShuttle. Das hat zwar gut geklappt, sollte sich aber mit dem neuen Stall auch ändern. „Wir entschieden uns, Tränkeautomaten einzubauen, weil wir die Kälberfütterung automatisieren wollten um Zeit zu sparen, denn knappe Arbeitszeit ist in unserem Betrieb ein echtes Thema“, erklärt Jan Haverkamp. Der Betrieb wird als reiner Familienbetrieb bewirtschaftet, es gibt keine weiteren Vollzeit-Mitarbeiter. „Außerdem stellen Tränkeautomaten die Kälberversorgung jederzeit sicher, auch wenn wir mit der Außenwirtschaft beschäftigt oder krank sind. Das ist ein echter Vorteil, abgesehen davon, dass es für die Kälber mehr Tierwohl verspricht, weil sie öfter trinken können.“ Öfter am Tag trinken können in ausreichender Menge fördert die Gesundheit und das Wachstum der Kälber, das belegen auch viele wissenschaftliche Studien.

Beratung und Service auf Augenhöhe

Familie Haverkamp hat zwei Fütterungsautomaten Urban Alma Pro mit einem 12“ Bedienterminal mit Touchscreen installiert. 6 Fütterungsstationen versorgen die Kälber. Jeder Automat versorgt drei Fütterungsstationen. Außerdem wurde ein W-Lan Router integriert, der die mobile Steuerung via Smartphone oder PC ermöglicht. So können alle Funktionen der Alma Pro flexibel bedient und von überall gesteuert werden. Gibt es eine Störung, so gibt der Automat Fehleralarme aufs Handy. „Für Automaten von Urban haben wir uns entschieden, weil die Firma erstens hier in der Region ansässig ist und zweitens eine umfangreiche Beratung hinsichtlich Kälberstallplanung und Automatenfütterung bietet. Das Knowhow hat uns sehr geholfen beim Stallumbau und auch bei der Inbetriebnahme der Automaten. Wir haben erst vor wenigen Jahren in ein neues Melkkarussell investiert und erleben da leider gerade, wie ungünstig es ist, wenn es keinen guten Service vor Ort gibt“, berichtet Jan Haverkamp.

Automat gibt Struktur vor

Nachdem die Kälber für etwa 10 Tage im Iglu waren, und dort via MilkShuttle zuerst Biestmilch und dann zweimalig pro Tag insgesamt 6 Liter Milchaustauschertränke erhalten haben, kommen sie in die neue Gruppenbucht. Sie werden nach Alter sortiert und die einmal eingestallte Gruppe bleibt bis zum Absetzen zusammen, um Stress zu reduzieren. „Wir nutzen ein Milchaustauscherpulver mit 30 % Magermilchanteil, 150 g MAT im Liter, und haben die Futterkurve im Automaten so eingestellt, dass die Kälber anfangs 8 Liter in 4 Portionen erhalten, dann eine langsam abfallende Menge, bis sie am 73. Lebenstag abgetränkt sind. Während wir vorher immer nach Gefühl abgesetzt haben, also nicht wirklich einen Plan dafür hatten, macht uns jetzt der Automat mit dem Tränkeplan das strukturierte Planen des Absetzens leichter“, erwähnt Jan Haverkamp einen weiteren Vorteil des Tränkeautomaten. Auch die stets warme Tränke und die automatische Reinigung von Automat und seiner Zubehörteile bis zum Nuckel schätzt er sehr. Sehr praktisch ist für ihn auch, dass der Automat auch Vollmilch vertränken kann, denn in der Vergangenheit gab es immer mal wieder Zeiten, in denen sie den Kälbern Vollmilch gegeben haben. „Gut, dass wir diese Möglichkeit auch weiterhin haben“, so Jan Haverkamp.

Das Trinken am Automaten lernen die Kälber schnell. Beim Einstallen in die Bucht bekommen sie das Halsband um, an dem der Transponder befestigt ist. Damit werden sie individuell vom Automaten erkannt und angemeldet. „Sind die Kälber am Automaten erfasst, bringen wir sie einmal in die Tränkebox und zeigen ihnen den Nuckel. Mehr ist meistens nicht nötig, die Kälber gehen schon für den nächsten Tränkevorgang selber in die Box“, sagt Eike Haverkamp.

Ein Herz für die Kleinen

Die ersten Erfahrungen mit den Tränkeautomaten sind durchweg positiv. Auch der Stallumbau hat sich bewährt. Die Kälber sind nun alle an einem Ort und werden verlässlich automatisch versorgt. Mittelfristig planen Haverkamps, noch eine Schlauchlüftung im neuen Kälberstall anzubringen, um die Frischluftzufuhr zu verbessern. „So eine Schlauchlüftung haben wir bereits in einem anderen Stall installiert und sind sehr begeistert“, so Jan Haverkamp. Ansonsten plant die Familie vorerst keine weiteren Investitionsschritte. „Wir wollen erst einmal den Betrieb konsolidieren und das optimieren, was wir haben“, sagt Jan Haverkamp. „Die Arbeitszeit ist jetzt schon knapp und die Marktaussichten für uns Milchviehhalter sind eher nicht so rosig. Außerdem haben wir alle Familie, mit der wir Zeit verbringen wollen.“ Die Haverkamps haben eben ein Herz für die Kleinen – sowohl für ihre Kinder als auch für ihre Kälber. Dr. Heike Engels

 

Betriebsspiegel Haverkamp GbR

  • 180 melkende Kühe
  • Komplette weibliche und männliche Nachzucht bleibt auf dem Betrieb
  • Bullenmast in ausgelagertem Betriebsteil (15 km entfernt)
  • Ca. 30 Färsen pro Jahr in deutschen Verkauf
  • Milchleistung: 10.660 l/Kuh/Jahr
  • 230 Hektar, davon 90 ha Grünland, Rest Ackerland
  • Biogasanlage 75 kW (reine Gülleanlange)
  • Mitarbeiter: 3 Haverkamps plus eine 450 Euro-Kraft